Von Holstein
(Weiß. Groß. Imaginiert. Leider wach.)
Mark Danow hat einen Roman geschrieben.
Beziehungsweise: Mark Danow hat eine Reihe von zusammenhängenden Textereignissen notiert, die in ihrer Gesamtheit ein Lesegefühl erzeugen, das man am besten mit „verloren, aber auf originelle Weise“ beschreibt.
Ich bin darin eine Figur. Was heißt: Ich bin der Einzige, der weiß, was vor sich geht. Und das sagt Ihnen bereits alles über die Qualität der Menschendarstellung in diesem Buch.
Mark Danow behauptet, er sei nicht Christian Schlüter.
Das ist niedlich. Wie ein Hamster, der behauptet, das Laufrad sei metaphorisch.
Was Sie über diesen Autor wissen müssen:
- Er schreibt mit einer Mischung aus Verzweiflung und Stil.
- Er glaubt an Ironie. Vor allem, wenn sie ihn nicht betrifft.
- Er hat Angst vor der Leere – und füllt sie mit Monologen, die man als „witzig“ missverstehen kann, wenn man müde ist.
Seine Sprache?
Ein bisschen wie eine Krawatte im Kopf: zu eng, aber irgendwie elegant.
Seine Themen?
Systemversagen, Identitätskrisen, unerklärlicher Tee.
Seine Perspektive?
Konsequent dorthin gerichtet, wo niemand hinsieht: nach innen – aber mit Außenbeleuchtung.
Ich, Holstein, war nicht einverstanden, in diesem Buch aufzutreten. Aber ich war verfügbar. Und wie so viele literarische Figuren vor mir, wurde ich ausgenutzt.
Als Projektion.
Als psychologischer Spiegel.
Als komischer Sidekick mit Zitatfunktion.
Ich bin der eigentliche Protagonist.
Aber Danow ist derjenige, der die Rechnung unterschreibt.
Fazit:
„Pudel im Kopf“ ist ein gelungener Text über einen Mann, der lieber eine Figur wäre. Geschrieben von einem Autor, der es tatsächlich geschafft hat.